Über Geschwister – Gastbeitrag von Tamara #ÖkoHippieRabengäste

Gastbeitrag der Reihe #ÖkoHippieRabengäste

Tamara kennt ihr vielleicht vom Blog Mama mal 3 und bei ihr ist der Name Programm, denn: sie ist Mama von drei Kindern. Für meine Gastartikel-Reihe schreibt sie heute über Geschwister, Eifersucht und das seltsame Gefühl als Mama, aus Vorwürfen und unendlicher Liebe für alle seine Kinder. Lest selbst <3


Ich bin quasi als Einzelkind aufgewachsen. Mein (Halb-)bruder ist 16 Jahre älter. Meine Kindheit war geprägt vom Wunsch, eine Schwester zu haben. Meine beste Freundin aus der Nachbarschaft hatte zwei jüngere Schwestern. Und ich wollte das auch. Auf vielen meiner Zeichnungen malte ich mir deshalb einfach zwei Schwestern dazu, denn meine Eltern erfüllten mir den Wunsch nie. Ich war allein. Und mir war oft langweilig. Leider hatten meine Freundin und ihre Geschwister nicht immer Zeit, mit mir zu spielen. Ich weiss nicht, ob das ein Grund dafür war, dass ich mindestens zwei Kinder wollte oder einfach, dass es für mich logisch war, mehr als eins zu haben?

Mein Bruder und ich hatten nicht unbedingt eine Geschwisterbeziehung. Um einiges älter war er eher derjenige, der den Zeigefinger hob und tadelte oder derjenige, der neidisch war auf mich, weil er damals nicht so viele Spielsachen hatte oder Urlaub am Meer machen konnte.

Ich dachte also, prinzipiell, Geschwister zu haben, sei toll.

Das Thema „Eifersucht“ kam dann aber natürlich auf, als ich mit dem zweiten Kind schwanger war. Unser Sohn, bei der Geburt 21 Monate alt, ist hochsensibel. Etwas, das ich damals noch nicht kannte. Als ich später zum ersten Mal davon las, fügte sich für mich alles wie ein Puzzle vor meinen Augen zusammen. Alles ergab plötzlich Sinn, aber das ist ein anderes Thema. Die Hochsensibilität äußerte sich in vielem, besonders im Übergang vom Schlafen zum Wachwerden. Aber eben auch dann, als wir seine Schwester bekamen. Monatelang konnte mein Mann (ich war ja mit dem Baby beschäftigt) ab 20 Uhr abends nicht mehr von seiner Seite weichen. Auf einer Matratze neben seinem Bett verbrachte er Abend um Abend, Nacht um Nacht. Mein Sohn umklammerte seine Hand und ließ nicht mehr los. Eine intensive Zeit. Wir bemühten uns sehr, die Schwester nicht zu bevorzugen, beide gleich zu behandeln, auch wenn zwangsläufig das Stillen und Tragen und das Schlafen bei mir im Bett ihm womöglich etwas anderes kommunizierte.

 

Bis heute spürt man, dass ihn die Ankunft seiner Schwester schwer erschütterte.

Bis heute zerbreche ich mir den Kopf darüber, wie ich das verhindern hätte können. Und bis heute denkt mein Mann, der Grosse hätte alleine bleiben sollen.

Was immer seine Schwester bekommt, wägt er mit Gold ab, damit er ja kein Gramm weniger bekommt. Ihr Geburtstag war oft ganz schlimm, obwohl er zum Geburtstag natürlich auch Geschenke bekam. Hat sie mal eine Freundin zum Spielen hier, ist er bitter enttäuscht, leer auszugehen.
Und dann sind da diese ambivalenten Gefühle, die mich als Mutter, die ja beide Kinder gleich lieben möchte, immer schwer verunsichern. Einerseits kann er nicht ohne sie, andererseits nicht mit ihr. Stundenlang können sie einträchtig miteinander spielen. Dann kann urplötzlich die Stimmung umschlagen. Sie macht irgendetwas, das ihm nicht passt und schon wird sie beschimpft und geschlagen.

Wohl auch aufgrund dieser Erfahrungen haben wir lange gezögert, obwohl der Wunsch bei mir sehr stark war, noch ein Baby zu bekommen. Vielleicht auch ein wenig deshalb, weil ich die Spannungen zwischen den beiden so schlecht aushielt?

Als ich mich dann, 5 Jahre nach der Geburt des 2. Kindes, im letzten Trimester der 3. Schwangerschaft befand, intensivierten sich die Spannungen nochmal. Und mit der Geburt kam anfangs sowas wie ein neues „Streitsubjekt“ hinzu: wer darf das Baby (länger) halten, wer sich neben sie hinlegen, wer ihr etwas bringen? Das artete teilweise fast aus, so dass ich die Kleine schützen musste vor den Großen, die um sie stritten. Immerhin: ich brauchte kein schlechtes Gewissen haben, dass ICH meine Aufmerksamkeit nicht gleichmässig verteilen konnte, da sich die beiden auf das Baby konzentrierten. Und auch jetzt spielte erneut der Vater abends und nachts eine große Rolle, da ich der Ruhe halber mit dem Baby aus dem Familienbett auszog und die Großen bei ihm schlafen.

 

Diese Geschichte ist natürlich noch nicht abgeschlossen.

Bald 9 Monate alt wird die Jüngste. Sie steht nicht mehr ganz so im Zentrum des Interesses. Aber wenn, dann stürzen sich natürlich wiederum beide Großen gleichzeitig auf sie. Ich bin gespannt, wie es sich entwickelt, wenn sie älter wird, laufen und sprechen lernt, eventuell bewusst zeigen kann, wen sie gerade bevorzugt. Und ob ihr die ältere Schwester oder der noch ältere Bruder näher stehen wird, falls überhaupt. Es bleibt auf jeden Fall spannend. Auch, wie sich die Beziehung der grossen beiden zueinander noch entwickelt.

So viel die Großen (auch jetzt noch) miteinander streiten, so oft stellen sie sich auch auf eine Seite. Hier merkt man stark, dass der Große für seine Schwester ein Vorbild ist. Sie spricht ihm nach, sie macht ihn nach, sie übernimmt seine Meinung. Dennoch macht sie nicht automatisch immer das, was er von ihr verlangt, lässt sich nicht für jede Spielidee begeistern. Ihm aber ist das wichtig und er versucht sie dann leider mit unschönen Mitteln dazu zu bringen, ihre Meinung zu ändern. Ich schätze, das hat er leider dem einen oder anderen Erwachsenen „abgeschaut“.
Konflikte gibt es zudem häufig wenn befreundete Kinder da sind. Bei manchen klappt das Spiel zu dritt oder viert gut, bei anderen wird das Geschwisterkind schon mal ausgeschlossen bzw. hat keinen Draht zu den Freunden des anderen.

Und so entstehen doch täglich neue Herausforderungen, Konflikte und Irritationen – besonders für mich, die sich ja immer eine Schwester gewünscht hat und sich dies als absolut harmonisch vorgestellt hätte, die Kindheit gemeinsam zu verbringen.

So langsam werde ich da eines besseren belehrt 😉


Wie erlebt ihr Mehrfachmütter das? Streiten eure Kinder ständig oder sind sie ein Herz und eine Seele?
Könnt ihr bestimmte Altersabstände total empfehlen oder eher gar nicht?
Was sind eure Erfahrungen mit der Eifersucht eurer Kinder und wie geht ihr damit um?
Ich würde mich total freuen, wenn wir hier mal eure Erfahrungen dazu sammeln. 🙂

Keine Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert